In den letzten Wochen ist mir immer wieder dieses Gedicht über den Weg gelaufen. Zuerst in der Fernsehserie “Hinter Gittern – Der Frauenknast”, welche ich mir gerade komplett anschaue. Es hat mich sehr bewegt, suchte kurz danach und war schon wieder in Vergessenheit geraten. Nun vor ungefähr 2 Wochen entdeckte ich meine Vorliebe für die Schauspielerin Karen Böhne und recherchierte ein bisschen. Schon landete ich wieder bei Rilke. Da bekanntlich alle guten Dinge 3 sind lief er mir zuletzt gestern Nacht über den Weg, als ich Informationen über Ben Becker nachgeschlagen habe, der gestern bei den Ruhrfestspielen mit “Todesduell (John Donne) / Große Elegie an John Donne (Joseph Brodsky)” Premiere feierte. Überigens sehr bewegend und diese Stimme ist einfach Weltklasse! Aber nun weiter zum Panther.
Aus Mangel an abkömmlichen Freunden verbrachte ich die samstägliche Nacht nüchtern zu Hause und eine kurze und kleine Interpretation kam dabei heraus:
Vielleicht noch mal die gesamten Verse zum verdeutlichen
Der Panther
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris
