Ich fühle mich relativ ausgeglichen, bis auf meine aktuelle Eifersuchtsphase, die mir gehörig auf die Nerven geht, aber Alles in Allem geht es mir sehr gut. Job läuft, Beziehung läuft wieder so einigermaßen, Freunde sind da, zwar nicht oft und nicht mehr so intensiv, aber immerhin… Nur kommt es ja bekanntlich immer dann zu schwierigen Situationen, wenn es gerade perfekt läuft. So möchte ich also von meinen nächtlichen Katastrophen berichten, die mir Schlaf und Nerven rauben. Zuvor hatte ich zwar schon immer Albträume, aber ein solches Ausmaß hatten sie noch nie angenommen und schon sind auch wieder Panikattacken zugegen…
Von Freitag auf Samstag: Ruinen
Familienausflug. Meine Mutter und ich fuhren mit einem großen unbedachten Jeep über hügeliges Gelände. Zuvor bin ich dort wohl auch schon mit M. Und meinem Freund vorbeigefahren nur haben wir die Grenzen dort nicht überschritten, ein Zaun stand uns zuvor im Weg. Nun brachte es meine Mutter aber fertig mit eben diesem Jeep durch den Zaun zu fahren, weiter auf die dahinter liegende Müllkippe. Der beißende Geruch von Verrottetem stieg mir in die Nase und ich kniff die Augen zusammen… Übelkeit! Sie fuhr schneller, damit wir diesen Gestank bald hinter uns lassen konnten, so schnell, dass wir nahezu flogen. Mit gewaltigem Schwung landeten wir auf einem abgebröckelten Podest einer alten Ruine. Nicht mehr identifizierbar, was sie früher einmal gewesen sein mag. Dort warteten mein Stiefvater und mein kleiner Bruder und es war mir, als ob sie uns hochziehen würden auf dieses Podest. Ich drehte mich um und schate in ein Meer aus Ruinen, alles zerstört und nur grau beleuchtet von einem wolkenverhangenen spätnachmittaglichen Himmel. Ein Picknick baute sich ohne meine Beachtung auf, ein weißer Plastiktisch und wackelige Stühle, dazu kamen meine Oma und ihr Freund. Oma fluchte über die Bedienung, die aus dem Nichts auftauchte und plötzlich wieder verschwand. Wieder schaute ich in die Ferne dieser Trümmerlandschaft und beachtete Omas fluchen nicht weiter. Leere Worte, wie immer, als könne sie nichts anderes von sich geben als Missgunst und wie immer kam sie auf meinen Stiefvater zu sprechen, er sei an Allem schuld. Ich sei nur durch ihn so geworden. An dem Punkt wurde ich hellhörig, ich wusste ja, dass es nicht stimmte und hatte ihm auch erzählt warum. Immer mehr stieg der Drang in mir auf meiner Oma die Wahrheit über meine Vergangenheit zu erzählen, was wirklich geschah und wer mein Leben so ruiniert hat. Ich zögerte und wollte gerade sagen, was mir auf dem Herzen lag, da fasste mir ihr Freund an die Haare. Sie waren rot und lang und ich trug sie zu einem Pferdeschwanz, wie früher. Meine Mutter war empört darüber und meinte, dass sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Er zog immer fester und als ich mich umdrehte verwandelte er sich zu der Gestalt meines Vater, riss mich zu Boden. Er hörte einfach nicht auf, machte weiter, kniff mir in die Brustwarzen, die wieder die eines Kindes waren. Ich schrie er solle mich loslassen und alle schauten zu. Ich wollte mich losreißen doch er Griff mir zwischen die Beine und ich fiel in Starre, konnte mich nicht mehr bewegen und noch bevor ein Augenblick verging erwachte ich. Ich lag auf dem Rücken und schaute in den dunklen Raum. Panik! Ein schwarzer Schatten stürzte sich auf mich und drang in meinen Körper ich schrie und weinte wie ein kleines Kind, nur lauter und mit der Stimme einer Erwachsenen. Gefangen in einem zweiten Traum! Mein Freund weckte mich letzendlich wirklich, indem er meinen Namen rief. Ich hatte auch in der Realität genau so geschrien und hätte er mich nicht geweckt, wäre ich wohl aus Angst gestorben, nie wiede aufgewacht aus diesem Albtraum.
Ich konnte mich nicht bewegen, Tränen flossen, er durfte mich nicht ansehen. Als er das Licht einschaltete wurde es ein bisschen besser, aber meine Bewegungsunfähigkeit hielt an, meine Arme schmerzten, weil sie mein Gewicht trugen, aber ich musste mein Gesicht verdecken, versuchte trotz Allem objektiv an die Situation zu gehen, erklärte ihm was mit mir passiert und los ist. Er und unser Kater haten sich unglaublich erschrocken. Nie zuvor ist so etwas geschehen. Doch jeder Versuch scheiterte ihn auch nur ansatzweise in die Augen zu schauen, jedes Mal ein stechender Schmerz in meiner Brust begleitet von unendlicher Panik. Nach einer halben Stunde schaffte ich es nun doch mich hinzusetzen, immer noch mit Händen vor dem Gesicht, die dunkle Ecken, Spiegel und Augen ausblenden sollten. Mit viel Zureden, erzählen, Schlaf-/Beruhigungstablette und eine Dokumentation über Tauben verging der Moment des Schocks dann letzendlich doch.
Samstag mittags: Aufbau
Wieder ein Familienausflug. Ich wusste, das das kommt!! Ich wollte doch nie wieder schlafen!! Mutter, Stiefvater und Bruder besichtigten mit mir unsere alte Wohnung. Vieles hatte sich verändert, die Flure waren neu gestrichen, nur mein Kinderzimmer sah noch genau so aus, wie damals. Die einzige Neuerung daran war, dass man wenn man aus dem Fenster stieg sofort wieder unten auf der Straße stand. Ich schaute mir die Umgebung genauer an. Bauarbeiten!! Fast alle Nachbarshäuser waren im Umbau, eines ganz besonders. Viele Arbeiter werkelten in der Ruine eines alten Hauses, dessen Dach, Böden und Fenster vollständig abhanden gekommen waren. Es hätte ein Hochhaus gewesen sein müssen, so viele Etagen konnte man sehen und überall standen Leitern und Werkzeug. Sehr lange schaute ich dort hinüber,drehte aber letzendlich doch meinen Kopf nah rechts. Dort waren neue Häuser, verhältnismäßig bunt. Eines in dunklem weinrot, das nächste türkisfarben, wiederum eines in einem hellen Gelb. Die Nebenstraße war versetzt um 2 Häuserlängen. Gerade rief mich meine Mutter und ich wollte zurück in den Raum schauen, da erfasste mich der Impuls aus dem Fenster zuspringen. Nur vergaß ich dabei, dass ich ja nicht fallen konnte. Getrieben von der Angst einer erneuten Albtraumlandschaft in der ich mich verfangen könnte, rannte ich die Straße entlang so schnell ich konnte und lief quasi zurück in die Realität, wachte auf.
Von Sonntag auf Monatg (heute Nacht) Tod:
Oh welch Wunder, ich befand mich nicht mehr unterwegs mit meiner Familie, sondern auf dem Weg zu meinem Therapeuten, dem ich unbedingt von meinen Albträumen erzählen wollte. Es war nur nicht die Praxis, zu der ich fuhr, sondern der Therapieraum befand sich direkt in seiner Wohnung. Es war alles sehr groß und weiß, sauber und durchdesignt, kein Staubkrümel war zu finden. Nur er leider auch nicht. Ich war einfach ohne Termin vorbeigekommen und musste warten, gnadenlos stundenlang. Seine Frau unterhielt sich währenddessen mit mir und aus einem mir in diesem Traum sehr logischen Grund, begann ich im Badezimmer meine Wäsche zu waschen. Die Erlaubnis hatte sie mir gegeben, ich befüllte also die Maschine und hing später ausschließlich meine Dessous auf den Trockenständer. Ein paar kleine Hintergedanken kamen mir dabei, wie er wohl darauf reagieren würde. Irgendwann bat er mich ins Zimmer. Eine andere Sitzordnung als sonst, ein ganz anders strukturierter Raum, aber ähnliche Möbel. Wie immer war er sehr freundlich, aber ich merkte, wie hektisch er wurde und er verließ des Öfteren den Raum um sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Ich kam nicht zu Wort, also beschloss ich an einem anderen Tag wieder zukommen. Als ich ging rief ich eine Freundin an. Sie wollte sich mit mir treffen. Als ich schon auf dem Weg nach Hause war fiel mir ein, dass ich meine Unterwäsche vergessen hatte und beeilte mich schleunigst zurück zu kehren. Niemand reagierte auf mein Klingeln, also huschte ich durch den Garten und betrat das Haus durch die Terassentür. Mir war etwas seltsam zu Mute, da ich ja ungebeten wieder aufgetaucht war. Die Frau bemerkte wohl meine Schritte und ich hörte wie sie eilig im Schlafzimmer herumkramte. In einem langen roten Bademantel öffnete sie die Tür, hinter ihr stand mein Therapeut, gänzlich unbekleidet und grinste mich an. Da hatte ich die Beiden wohl wirklich gestört. Allerdings hatte sie Verständnis für mich. Gemeinsam überprüften wir Frauen, ob die Wäsche schon trocken ist, als plötzlich meine Freundin mitten im Raum stand, mit der ich mich treffen wollte. Wir unterhielten uns kurz über die amüsante Situation, da nahm mich auch schon die Frau mit in die Küche und wir tranken gemeinsam einen Kaffe. Währenddessen schaffte meine Freundin es wohl unbemerkt im Schlafzimmer zu verschwinden. Nach einiger Zeit kam mir das sehr Suspekt vor, obwohl mich die Frau versuchte zu beruhigen mit den Worten, es sei doch nur ein Gespräch. Glauben konnte ich das nicht und ich drängte sie immer mehr dazu doch mal nachzuschauen, was da vor sich ging. Schließlich kenne ich ja meine Freundin und ihre promiskuitive Art, die mir selbst nicht fremd ist. Ich hätte wohl auch kaum so eine Gelegenheit ausgelassen, wenn mein Gewissen und mein Verstand mich nicht immer wieder davon abgehalten hätten. Sie lief schnellen Schrittes auf die Tür zu und ich folgte ihr leise… Katastrophe!! Wir erwischten die Beiden im Flagranti, sie trug meine Dessous und kroch auf Allen Vieren vor ihm. Noch mit lusterfülltem Lachen auf den Lippen erstarrten Beide in der Bewegung. Ich schrie, was Stimme und Wortschatz nur hergeben konnten. Nur Satzfetzen klingen noch in meinen Ohren nach. An Beide gerichtet:”…Jahre lang habe ich mich zurückgehalten…” An sie gerichtet: “Du dreckige Schlampe!!”, und eine Flut an Flüchen, die mir in den Kopf kamen. An ihn gerichtet: “Wie konntest du mir das antun?”. Sie schaute mich entsetzt an und meinte nur, dass ich das doch von ihr verlangt hätte, dass es ja nur eine Wette sei, wer ihn herumkriegen würde und das ich mich doch nicht so aufregen sollte, es sei ja nichts dabei. Danach ging alles sehr schnell, ich rannte auf sie zu, sie vor mir weg und wir verließen das Haus. Es war bereits dunkel und mein Freund und eine andere Freundin waren auf dem Weg nach uns zu suchen, uns abzuholen. Als ich an meinem Freund vorbei lief fing er ein paar Wortfetzen auf und Missverstand die Lage. Er war eifersüchtig, dass ich meinen Therapeuten so sehr anbete! Das vergrößerte meinen Zorn und ich rannte schneller, dann hatte ich sie eingeholt. Ich packte sie von hinten an beiden Armen, riss sie mit einem Satz in die Höhe und ließ sie mit ihrem Kopf auf den Boden krachen. Ihr letzter Schrei wurde von Krachen des brechenden Genicks abgelöst. Stille. Rennende Schritte. Mein Freund und die andere Freundin hatten das Schauspiel mit angesehen. Sie kniete nun weinend vor ihr auf dem Boden und schrie nun mich an. Ihre Worte waren den meinen sehr ähnlich… und auch mein Freund würdigte mich keinen positiven Wortes mehr. Blankes Entsetzen und Hass war zu spüren, niemand in dieser Nacht, der mir zur Seite stand, der mich verstand. Allein war ich und mit den Beschimpfungen meiner Liebsten Menschen in den Ohren wachte ich auf.





